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Jobs in der Fleischindustrie: Im Kreis sind 380 Menschen in der Branche beschÀftigt

Bevor das Kotelett in die Pfanne kommt: Die, die in der Fleischproduktion arbeiten, sollen besser verdienen – nĂ€mlich mindestens 14,50 Euro pro Stunde. Das fordert die Gewerkschaft NGG Nord-Mittelhessen. Foto: Tobias Seifert, NGG

Vom Schnitzel bis zur Salami: 15.800 Tonnen Fleisch landen im Wetteraukreis pro Jahr auf dem Teller + + + NGG: „Fleischproduktion ist ‚Knochenjob‘ – Deshalb: Mindestens 14,50 Euro pro Stunde“

WETTERAUKREIS / FRIEDBERG. - Vom Schweinekotelett bis zum HĂ€hnchenschnitzel: Im Wetteraukreis werden pro Jahr rund 15.800 Tonnen Fleisch gegessen – rein statistisch jedenfalls.

Denn im Schnitt lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch bei zuletzt 51,6 Kilo im Jahr – und damit bei gut 140 Gramm am Tag.

Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststÀtten hingewiesen. Die NGG Nord-Mittelhessen beruft sich dabei auf Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL).

„Die Menge an Fleisch, die auf den Teller kommt, wird weniger: Der Pro-Kopf-Verzehr geht seit Jahren kontinuierlich zurĂŒck. Trotzdem bleibt Fleisch ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Und dahinter steckt immer auch die Arbeit von Menschen“, sagt Andreas Kampmann.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der NGG Nord-Mittelhessen lenkt damit den Blick auf die Fleischproduktion: Neben der Haltung der Tiere sei auch deren Schlachtung und die Fleischverarbeitung ein „entscheidender Aspekt, den viele gerne ausblenden“, so Kampmann.

Ein wichtiger Punkt sei dabei der Lohn: „Es geht darum, was die Menschen verdienen, die dafĂŒr sorgen, dass Filets, Salami, Kochschinken oder Leberwurst auf den Tisch kommen“, sagt Andreas Kampmann. Der NGG-GeschĂ€ftsfĂŒhrer kritisiert, dass die Fleischindustrie immer noch eine Niedriglohnbranche ist.

„Wer Tiere schlachtet oder GrillwĂŒrste verpackt, verdient selbst nur einen Hungerlohn. Oft sogar nur den gesetzlichen Mindestlohn – aktuell also 12,82 Euro pro Stunde. Nur wer GlĂŒck hat, liegt ein paar Cent drĂŒber“, so Andreas Kampmann.

Doch mit der „Arbeit zum absoluten Billiglohn“ mĂŒsse jetzt Schluss sein. Deshalb fordert die NGG Nord-Mittelhessen mindestens 14,50 Euro pro Stunde als Untergrenze bei der Bezahlung fĂŒr die Branche.

Insgesamt sind im Wetteraukreis nach Angaben der NGG aktuell rund 380 Menschen in der Fleischindustrie beschÀftigt. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Angaben der Arbeitsagentur.

Hinter der Fleischproduktion stecke eine harte Arbeit: „Das ist ein Knochenjob. Allein beim Zerlegen von SchweinehĂ€lften wuchten die BeschĂ€ftigten eine tonnenschwere Last am Tag: Eine Schweinekeule wiegt zwischen 5 und 10 Kilogramm. Und in einer Schicht trĂ€gt ein Zerleger mehr als 200 Mal Keulen aufs Produktionsband“, erklĂ€rt Kampmann.

Außerdem machten Hitze und NĂ€sse den BeschĂ€ftigten im Schlachtbetrieb und bei der Fleischverarbeitung zu schaffen. „Ebenso die KĂ€lte im KĂŒhlhaus. Das ist eine Arbeit bei stĂ€ndig kalten 2 bis 3 Grad“, so Andreas Kampmann. Auf Dauer sei das fĂŒr die BeschĂ€ftigten eine enorme gesundheitliche Belastung.

Auch deshalb sei es höchste Zeit, die Arbeit in der Fleischindustrie „endlich besser zu bezahlen“. Die Gewerkschaft NGG werde jetzt alles tun, um ein Lohn-Plus am Tariftisch durchzusetzen: 14,50 Euro pro Stunde soll der neue Mindestlohn der Branche sein. Die Tarifverhandlungen fĂŒr die Fleischindustrie starten Anfang Februar.