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Wetteraukreis: 2035 werden 80.600 Menschen im Rentenalter sein

Eine Rente, bei der nichts abplatzt: Die Rente braucht eine Reform – einen frischen Anstrich. Und der muss vor allem beim Rentenniveau glĂ€nzen: „50 plus X“ Prozent, fordert die NGG Nord-Mittelhessen. Die Gewerkschaft appelliert deshalb an die BeschĂ€ftigten im Wetteraukreis, den Bundestagskandidaten im Wahlkampf „intensiv auf den ‚Renten-Zahn‘ zu fĂŒhlen“. Foto: Nils Hillebrand, NGG

Wer im Wetteraukreis fĂŒr den Bundestag kandidiert, dem sollen BeschĂ€ftigte auf den „Renten-Zahn“ fĂŒhlen

WETTERAUKREIS / FRIEDBERG. - Der Wetteraukreis kommt in die Jahre: Heute leben rund 64.800 Menschen im Wetteraukreis, die im Rentenalter sind. Ihre Zahl wird in fĂŒnf Jahren bereits bei rund 69.100 liegen.

Und 2035 werden rund 80.600 Menschen der „Generation Ü67“ angehören – ein „Senioren-Plus“ von 24 Prozent gegenĂŒber heute. Das geht aus einer „Ruhestands-Prognose“ hervor, die das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) gemacht hat.

Die NGG Nord-Mittelhessen warnt jetzt vor zu niedrigen Renten. Es gehe darum, ein „Abrutschen der Rente“ zu verhindern: „Wer im Alter genug Geld zum Leben haben will, muss sich am 23. Februar darum kĂŒmmern.

Denn wie hoch die gesetzliche Rente sein wird, das kann jeder mitentscheiden – und zwar per Kreuz in der Wahlkabine bei der Bundestagswahl.

Und die Rente ist fĂŒr alle wichtig – fĂŒr Jung und Alt: fĂŒr den Azubi in der Gastronomie genauso wie fĂŒr den Altgesellen in der BĂ€ckerei oder fĂŒr den Lagerarbeiter in der Lebensmittelproduktion“, sagt Andreas Kampmann.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der NGG Nord-Mittelhessen richtet deshalb einen „Renten-Appell“ an die BeschĂ€ftigten im Wetteraukreis. Sie sollen den Wahlkampf nutzen, um den Parteien auf den „Renten-Zahn“ zu fĂŒhlen.

„Wer im Wetteraukreis fĂŒr den Bundestag kandidiert, muss Farbe bekennen. Die entscheidende Frage beim Straßenwahlkampf im Wetteraukreis ist: Wie hoch wollen die Bundestagskandidaten die Rentenlatte legen?“

Denn der neue Bundestag und die Bundesregierung mĂŒssten dringend eine Rentenreform anpacken. „Der wichtigste Punkt dabei ist das Rentenniveau: Je höher es ist, desto mehr Geld haben die Senioren im Portemonnaie.

Da geht es um jeden Prozentpunkt – auch hinterm Komma“, so Andreas Kampmann. Hier mĂŒsse es eine Haltelinie nach unten geben: „Unter 48 Prozent darf das Rentenniveau nicht sacken.

Sonst rutschen nĂ€mlich noch mehr Menschen in die Altersarmut“, sagt der Gewerkschafter. Die NGG Nord-Mittelhessen fordert, dass das Rentenniveau zukĂŒnftig auch wieder auf 50 Prozent und höher steigen muss.

Neben diesem „Prozent-Check“ zur Rentenhöhe gehe es auch darum, die Positionen der Parteien zum geplanten Renteneintrittsalter abzuklopfen.

„Ab wann sollen die Menschen ohne AbschlĂ€ge in Rente gehen können? – Genau diese Frage sollten die BeschĂ€ftigten den Bundestagskandidaten im Wetteraukreis ebenfalls stellen – und zwar bei jeder Gelegenheit, die sich bis zur Bundestagswahl bietet“, fordert Andreas Kampmann.

Parteien, die versuchten, das Renteneintrittsalter nach oben zu schrauben, machten eine „Weit-weg-Politik vom Arbeitsleben der Menschen“. Schon die Rente mit 67 sei fĂŒr viele jetzt unerreichbar.

„Vom Koch bis zum Produktionshelfer, der Tag fĂŒr Tag in der Lebensmittelindustrie am Band steht: Viele, die dauerhaft anstrengende Arbeit leisten, sind oft schon viel frĂŒher am Ende“, so Andreas Kampmann.

Außerdem fordert die NGG Nord-Mittelhessen einen „Rententopf fĂŒr alle“: „Von der RechtsanwĂ€ltin bis zum Lebensmitteltechniker, von der Köchin, Kellnerin und Konditorin bis zum Arzt, Apotheker und Architekten – fĂŒr alle muss es kĂŒnftig eine Rentenkasse geben“, sagt NGG-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Kampmann.

Wichtig sei darĂŒber hinaus, die Rente „finanziell auf solide FĂŒĂŸe zu stellen“. Einer Aktienrente erteilt die NGG Nord-Mittelhessen damit eine klare Absage: „Die gesetzliche Rente mit ihren BeitrĂ€gen, fĂŒr die BeschĂ€ftigte hart gearbeitet haben, hat an der Börse nichts zu suchen.

Sie darf nicht – in Aktienpakete verpackt – gehandelt werden“, so Kampmann. Auch das von CDU/CSU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz im Wahlkampf jetzt geforderte staatliche Aktien-Depot fĂŒr Kinder sei nichts anderes als „der Beginn eines schleichenden Ausstiegs aus der gesetzlichen Rentenversicherung“.

Entscheidend fĂŒr eine Rente, die zum Leben reicht, sei vor allem aber auch ein guter Lohn. Wer heute zum Mindestlohn arbeite, rutsche im Alter „schnurstracks in die Armut“.

Aktuell gibt es nach Berechnungen, die das Pestel-Institut fĂŒr die NGG gemacht hat, rund 23.100 Jobs im Wetteraukreis, in denen die Menschen weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen.

„So ein Niedriglohn ist nichts anderes als eine Armutsfalle fĂŒrs Alter“, sagt Kampmann. Ziel mĂŒsse es sein, mehr Jobs zu haben, in denen der Tariflohn gezahlt werde. Auch darum gehe es bei der Bundestagswahl.

„Das Stichwort heißt: Bundestariftreuegesetz. Auch darauf warten viele Niedriglohn-BeschĂ€ftigte im Wetteraukreis“, sagt Andreas Kampmann. Es gehe immerhin darum, dass bei öffentlichen AuftrĂ€gen kĂŒnftig konsequent der Tariflohn gezahlt werde.