NEWS

ZurĂŒck im Krankenhaus und in der Wetterau

Timo Garthe im Andachtsraum der Kerckhoff-Klinik. In der Hand hĂ€lt er einen „geheilten Stein“. Foto: Anna-Luisa Hortien

Pfarrer Timo Garthe ist neuer Klinikseelsorger in der Kerckhoff-Klinik

WETTERAUKREIS / BAD NAUHEIM. - Timo Garthe war schon als Pfarrer in Asien und der Schweiz tĂ€tig, lebte im Regenwald und in den Bergen. Nun kehrt er in die Wetterau zurĂŒck, als Klinikseelsorger in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik. Es ist eine RĂŒckkehr im doppelten Sinn.

Die Wetterau und das Krankenhaus sind Pfarrer Timo Garthe beide nicht fremd: Vor dem Theologie-Studium absolvierte der Seelsorger eine Ausbildung zum Krankenpflege-Helfer - in der William-Harvey-Klinik in Bad Nauheim. DarĂŒber hinaus war sein Vater viele Jahre Pfarrer in Dortelweil.

Die Kerckhoff-Klinik ist ein Schwerpunktzentrum fĂŒr Herz-, Lungen-, GefĂ€ĂŸ- und Rheumaerkrankungen. Neben NotfĂ€llen und geplanten Eingriffen bekommen dort auch Reha-Patienten eine Behandlung.

Als Klinikseelsorger ist Timo Garthe fĂŒr die Patienten und auch fĂŒr die rund 1.400 PflegekrĂ€fte, Ärzte und weiteren BeschĂ€ftigten jederzeit ansprechbar.

Im 3. Stock befindet sich der „Raum der Stille“. Die Kapelle ist ein Kontrast zum Rest der Klinik. Dort werden manchmal Andachten gefeiert und auch mal GesprĂ€che gefĂŒhrt. Der Großteil der seelsorgerlichen Arbeit findet jedoch im Zimmer der Patienten statt.

„Ich versuche im GesprĂ€ch zu erspĂŒren und zu entdecken, was mein GegenĂŒber braucht“, sagt Pfarrer Timo Garthe. Als Pfarrer habe er eine andere Rolle als die PflegekrĂ€fte oder Psychologen.

Er sei auch in seiner Zeiteinteilung freier. „Und ich spĂŒre in vielen Situationen, dass es Menschen wichtig ist, dass ich Pfarrer bin. Es macht GesprĂ€che dreidimensionaler.“

Sein Credo fĂŒr die seelsorgerliche Arbeit ist ein Wort des Propheten Jesaja (Kap. 50,4): „Hören kommt vor Reden. Seelsorge heißt nicht, Rat-SchlĂ€ge zu erteilen, sondern mit offenen Ohren zu hören, wie die JĂŒnger zuhören“, sagt Timo Garthe.

Im Krankenhaus mĂŒsse immer alles funktionieren. Es herrsche großer Druck beim Personal wie bei Patienten. Nicht selten sei das eigene Leben bedroht. „Doch der Mensch ist mehr als nur ein Körper, der ‚kaputt‘ ist und irgendwie ‚repariert werden‘ muss“, sagt Pfarrer Garthe.

„Selbst, wenn ‚mechanisch‘ wieder alles funktionsfĂ€hig wĂ€re, heißt es nicht, dass ich automatisch gesund bin. Gesundheit und Krankheit bedeuten so viel mehr.“

Er betrachte den Menschen ganzheitlich. Oft helfe es den Menschen zu spĂŒren, dass sie nicht alleine sind. „Gott hört das Weinen der Seele“, betont er.

Aufgewachsen ist Timo Garthe in Indonesien. Sein Vater war dort als theologischer Lehrer tÀtig, die Mutter als Krankenschwester. SpÀter hat Timo Garthe selbst mit seiner Familie eine Zeit in Asien gelebt.

Unter anderem war er als Auslandspfarrer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Indonesien und auf den Philippinen. Außerdem hat er 6 Jahre als Pfarrer in der Schweiz verbracht. Zuletzt war er Gemeindepfarrer in Buchenau, einer Gemeinde im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Diese Zeiten in unterschiedlichen Kontexten haben ihn stark geprĂ€gt. Gleichzeitig bilden sie große Kontraste: „In Asien habe ich erlebt, wie zufrieden Menschen sein können, selbst wenn sie nur sehr wenig haben. Die Schweiz wiederrum ist eines der wohlhabendsten LĂ€nder der Welt.“

Die Lebensgeschichten der Menschen faszinieren ihn, ebenso „gemeinsam zu entdecken, wie Gott den roten Faden seiner Gegenwart durch den Flickenteppich unserer Lebensgeschichte webt.“

Auf einem kleinen Tisch im BĂŒro von Timo Garthe hinter dem Raum der Stille liegen ein paar Steine. Das dunkle Grau ist von weißen Linien durchzogen. Die Steine hat er vom Wandern in der Schweiz mitgebracht. „Man nennt sie auch ‚geheilte Steine‘“, erklĂ€rt der Pfarrer.

Die weißen Linien waren LĂŒcken und Risse in zerbrochenen Felsen, in die ĂŒber viele Jahre Mineralien eingeflossen sind und sie geschlossen haben. „Was kaputt war, bleibt sichtbar – macht den Stein aber einzigartig und wunderschön.“

So sei es auch mit Wunden und Verletzungen im eigenen Leben: „Sie können von der Liebe Gottes aufgefĂŒllt werden. So kann heilen, was zerbrochen war. Etwas Neues entsteht.“