BUND: Erbach will 17ha bestes Ackerland als PhotovoltaikflÀche ausweisen
ERBACH. - Die Stadt Erbach hat in diesen Tagen einen Antrag auf Zielabweichung von den Vorgaben des Regionalplans SĂŒdhessen 2010 vorgelegt. 17ha bestes Ackerrand sĂŒdlich von Haisterbach sollen kĂŒnftig mit Solarzellen, statt mit AckerfrĂŒchten bestellt werden.
Im Ortsbeirat wurde ĂŒber die FlĂ€chenbereitstellung durch Landwirte berichtet, heiĂt es in einer Pressemitteilung des BUND-Kreisverbands Odenwald.
âDie Stadt hinkt - wieder einmal â den Interessen Einzelner hinterher und will Werte der Gemeinschaft unnötig und ohne Not preisgeben. Die Regionalversammlung wird am 25. Mai 2025 ĂŒber den Antrag der Stadt entscheiden â eine Beteiligung der Ăffentlichkeit ist nicht vorgesehenâ, sagt BUND-Sprecher Harald Hoppe.
Planung nach den WĂŒnschen Einzelner
âEs ist bekannt, dass die Anlagenbetreiber PachtbetrĂ€ge in zehnfacher Höhe ĂŒblicher Pachten zahlen. Damit wird Landwirtschaft zunehmend uninteressant â immer mehr Höfe geraten so in ökonomische Probleme, weil sie bei derart ĂŒberzogenen PachtbetrĂ€gen nicht konkurrieren können.
Das Interesse der Gesellschaft nach regenerativ erzeugter Energie wird auf diese Weise auf dem RĂŒcken der Landwirtschaft ausgetragen, statt die Regeln fĂŒr die FlĂ€chenkonkurrenz zu diskutieren und mit dem GrundbedĂŒrfnis âLebensmittelversorgungâ abzustimmen.
Der Kreistag des Odenwaldkreises hat sich dieser Regelungsnotwendigkeit seit Jahren verschlossen. Als vor 10 bis 15 Jahren die emotional gefĂŒhrte Diskussion um WindrĂ€der die Meinungen beherrschte waren die Politiker des Kreistages nicht bereit, konsequent die Wege zur Energiewende durchzudenken und praktikabel zu gestalten.
Das Klimaschutzkonzept des Kreises aus dem Jahr 2013 legte sich lediglich auf die Ablehnung weiterer WindrĂ€der und auf die Photovoltaik als kĂŒnftige Energiebereitstellung fest. Wie sich das auf die zur VerfĂŒgung zu stellenden FlĂ€chen auswirken wĂŒrde, hatte den Kreistag nicht interessiert.
Damals wurden fĂŒr Erbach gerade 1ha PV-AnlagenflĂ€che entlang der Bahnstrecke genannt sowie 35ha im kreiseigenen GelĂ€nde am Hainhaus. Ersteres wurde nie die zweite FlĂ€che nur zu einem Bruchteil realisiert.
Zudem verweigerte der Kreis bei der lokalen PV-Anlagenplanung 2023 in LĂŒtzelbach die Kooperation auf dieser eigens zu diesem Zweck bereitgestellten FlĂ€che.
Der BUND Odenwald hatte vor Jahren einen FlĂ€chenbedarf von ĂŒber 700ha im Kreis ermittelt und eine FlĂ€chenstrategie angemahnt â vergeblich. Jetzt wird nach den WĂŒnschen der LandeigentĂŒmer gebaut, ob das sinnvoll ist oder nicht.
Regionalplan soll ausgesetzt werden
Der aktuelle Antrag der Stadt Erbach zielt darauf ab, die im Regionalplan festgeschriebene Vorrangfunktion fĂŒr Landwirtschaft fĂŒr die FlĂ€chen der PV-Planung zu beseitigen.
Das Zielabweichungsverfahren wird bei der Regionalversammlung verhandelt, um auf einfachem Verwaltungsweg die stÀdtische FlÀchenplanung an die Vorgaben der Regionalplanung anzupassen.
Dabei ignoriert die Stadt ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (RdNrn. 29 & 39), das dieses Verfahren nur dann fĂŒr rechtens erklĂ€rt, wenn die sogenannten âGrundzĂŒge der Planungâ durch die Ănderung nicht berĂŒhrt werden. Das Gericht sah dies dann als gegeben an, wenn âwesentliche Umweltauswirkungen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden könnenâ.
Dies ist jedoch nach Auffassung des BUND in Haisterbach der Fall, wenn die landwirtschaftliche Nutzung bester Ackerböden im Kreisgebiet fĂŒr die Technikinstallation geopfert wird.
Es ist fĂŒr die Umweltfolgen grundsĂ€tzlich anders zu beurteilen, wenn in der Landschaft mehrere GebĂ€ude mit Batteriespeichern platziert werden, statt der ĂŒblichen Ackerpflanzen.
Der Regionalplan hat als eines seiner zentralen Ziele die Bereithaltung der landwirtschaftlichen FlÀchen zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln formuliert.
Die Umnutzung fĂŒr die Stromproduktion stellt diesen Grundsatz in Frage und muss daher in einem Verfahren unter Beteiligung der Ăffentlichkeit verhandelt werden.
Der BUND Odenwald fordert, eine Strategie zur Energieversorgung zu entwickeln, die diesen Namen auch verdient und die insbesondere das Kernproblem der FlÀchenbereitstellung systematisch und formal korrekt angeht.
Das Offenlassen dieser Frage fĂŒhrt nach EinschĂ€tzung des Umweltverbandes nicht zu einer akzeptablen FlĂ€chennutzungsplanung auf Gemeindeebene.â